Randi Unrast
Ein Interview mit Freddy Milton
von Ingo Milton

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Wie unterscheidet sich dieses Buch von deinen früheren Büchern?

Zu allererst einmal gibt es dieses Mal nichts Übernatürliches. Es ist eine absolut geradlinige Erzählung aus unserer Zeit, ohne grenzüberschreitende Elemente anderer Dimensionen oder Andeutungen über etwas, das einer anderen Zeit oder Dimension zugeordnet werden könnte. Es ist hauptsächlich eine normale, spannende Geschichte, ein Thriller, wie man es nennt.

Was ist das Thema, außer dass es bestimmt von Leben und Tod handeln wird?

Das Thema ist das Milieu, in welchem man aufwächst und das Verhältnis zu den Gleichaltrigen an der Schule. Ich hatte mir überlegt, dass Mobbing ein tragendes Thema sein könnte, aber das habe ich dann nicht genommen. Auf jeden Fall geht um eine Form schlechter Bedingungen für das Aufwachsen von Kindern, die zu Selbstmordgedanken führen und die ihren Ausgangspunkt in Mängeln der sozialen Situation finden, in der sich die Hauptperson befindet oder die sie erlebt hat. Es geht um einen ziemlich introvertierten, aber eigenwilligen Teenager, der seine Gefühle nicht gerade zur Schau trägt, um es milde auszudrücken, und um einen gleichaltrigen Jungen, der unterwegs ist, um einen Erwachsenen aus seinem früheren Leben zu finden, weil er spürt, dass er mit ihm reden muss.

Das klingt nicht besonders amüsant.

Das ist es auch nicht. Es ist sicherlich mein am ernsthaftesten angelegtes Buch, auch wenn es dazu in meinen früheren Büchern ebenfalls Ansätze gegeben hat, aber ich finde, ich habe eine schlüssige Sichtweise gefunden, die ich mit einer klaren Personenbeschreibung kombinieren konnte. Und ich habe gespürt, dass ich in der Lage war, das Gesamtwerk doch ganz glaubwürdig und überzeugend zu gestalten. Auf eine Art gibt es bei meiner Herangehensweise dieses Mal etwas Neues, denn bei Licht betrachtet sind meine früheren Figuren immer ziemlich unbeabsichtigt in eine überraschende Handlung geraten und mussten als die Personen, die sie waren, darauf reagieren. Aber in dem jetzigen Fall ist die Übereinstimmung zwischen der Persönlichkeit und dem Schicksal sehr deutlich erkennbar und sehr notwendig für die Entwicklung der Logik und Stichhaltigkeit der Geschichte.

Hast du den Humor dieses Mal dann in der Schublade gelassen?

Nein, das dann doch nicht. Im Verlauf der Geschichte kommt es zu Situationen und Episoden, wo die Übertreibung und der Grad der Karikatur im heiteren Sinne größer sind als für die Hauptpersonen selbst und für ihre Entwicklung. Dabei knüpfe ich etwa an das inzwischen verbreitete Genre der Tragikomödie an, wo man sowohl Heiterkeit als auch Ernsthaftigkeit findet, genauso wie das Leben auch Anteile des ganzen Ausdrucksspektrums bietet. Im Spiegelbild des Lebens zeigt sich doch nichts, was entweder nur das Eine oder nur das Andere ist, es sei denn, man bedient sich der Aufteilung der alten Griechen in Tragödie und Komödie. Es gibt einen fließenden Übergang vom Heiteren über das Tragikomische zum Ernsten und womöglich vollkommen Tragischen, und in diesem Buch findet sich vermutlich die ganze Palette. Ich habe den Glückstreffer gelandet, dass ich, als der Dramateil sich zugespitzt hat, rein gefühlsmäßig selbst eine starke Wirkung auf mich erlebt habe, und das ist für mich ein sehr schönes Erlebnis. Also habe ich vermutlich irgendwas richtig gemacht. Es gibt natürlich keine Garantie dafür, dass jeder so leicht beeinflussbar ist wie ich, aber einigen sollte es doch passieren, und ein guter Indikator dafür ist immerhin, dass es auf einen selbst so gewirkt hat. Wenn dann eben auch noch ich es gewesen bin, der sich hingesetzt hat, um sich das Drama auszudenken, sollte man doch annehmen, dass ich ziemlich dickfellig und unbeeinflussbar gegenüber den Wirkmitteln wäre, derer ich mich bediene, aber offensichtlich ist das nicht der Fall. Zu meiner Überraschung erlebe ich hin und wieder, dass ich mich für etwas rechtfertige, das wirklich anrührend und bewegend ist.

Gibt es dieses Mal Selbsterlebtes?

Nein, glücklicherweise nicht. Denn diese Probleme habe ich selbst nicht zu spüren bekommen, aber ich habe von verschiedenen Seiten Einwürfe erhalten, ebenso wie aus Zeitungsnachrichten über Bücher und Filme bis hin zu Beispielen, die man mir erzählt hat. Als ich meine Dramaturgie entworfen habe, sind es besonders ein paar ausländische Dokumentationen gewesen, die einen tiefen Eindruck bei mir hinterlassen hatten und in meinem Unterbewusstsein abgespeichert waren. Die düsteren Details beim Höhepunkt des Buches sind keineswegs selbst ausgedacht, ich habe sie unglaublich ergreifenden Dokumentationen entnommen. In diesem Punkt gibt es keinerlei Übertreibungen in meiner Darstellung, und ich versuche außerdem bei meiner Beschreibung der Details, an mich zu halten, um nicht allzu gnadenlos zu erscheinen. In der Geschichte spielt ein Tagebuch eine Rolle, und eine Zeit lang habe ich überlegt, Tagebuchaufzeichnungen komplett wegzulassen, weil ich Angst hatte, dass schon eine solche Wahl zu geschmacklos und gefühlsduselig wirken könnte. Und das ist nicht meine Absicht gewesen, aber ich habe eine Lösung gefunden, die dann doch ausreichend nüchtern ist. Ich habe es nur mit dazugenommen, wenn ich gespürt habe, dass es notwendig und unumgänglich ist, um zuverlässig und ehrlich zu sein. Ich habe wirklich versucht, mich zurückzuhalten und zu ausführliche Beschreibungen zu vermeiden, aber die wenigen, die es gibt, wirken dafür umso stärker. Es war kurz davor, dass ich selbst unangenehm berührt war, als ich sie mit dazunahm, aber ich war dazu gezwungen, denn so ist die Wirklichkeit, und für viele Kinder ist sie es jahrelang gewesen. Andererseits gibt es heute junge Menschen, die es gewohnt sind, das Extreme zu erleben, ja, sie suchen es sogar in einer Reihe dummer, effektheischender Horrorfilme, deshalb glaube ich, dass die Substanz in meiner Darlegung keineswegs grenzüberschreitend ist. Vielleicht wäre sie es vor ein paar Jahren noch gewesen, aber nicht heute. Und die jungen Leute spielen in den Postings, die sie in den Spalten diverser Chatrooms platzieren, auch selbst ganz bewusst mit unterschiedlichen Arten des Benehmens. Ja, mitunter lügen sie sich eine spannende falsche Identität zusammen, durch die sie grenzüberschreitende Formen des Verhaltens ausprobieren, sodass das Thema für diese Altersgruppe inzwischen nichts Neues mehr ist.

Es lässt sich sicher auch ein bisschen Recycling von Episoden aus deiner Comicreihe „Dekalog over Janteloven“ [dt. Dekalog zum Gesetz des Jante] finden.

Das stimmt, da gab es Blickwinkel, die ich benutzen, weiterentwickeln und ihnen in diesem Buch schärfere Konturen geben konnte. Ein großer Teil des Buches ist ein „Roadmovie“ durch Teile der Gesellschaft mit mehr oder weniger grotesken Einschlägen von der Art, wie Menschen sich gegenseitig behandeln, vor allem die eher kritischen und nachdenklich stimmenden Beispiele, aber auch warme und lebensfrohe Szenen sind darunter.

Du kehrst auch zu Motiven zurück, die mit Flüchtlingen und Einwanderern zu tun haben?

Ja, in „Zweite Chance für Sasja“ hatte ich ja nur einen begrenzten Bedarf an diesem Problemkomplex. Bei diesem Themengebiet gab es mehrere Blickwinkel und sie ließen sich in die Struktur einpassen, die ich bezüglich des Schicksals meiner Hauptpersonen gerade ablaufen ließ.

Du benutzt erneut einen Wechselschnitt zwischen zwei parallelen Handlungsverläufen …

Ja, aber mir ist es noch einmal gelungen, eine neue Möglichkeit zu finden, ihn einzusetzen. In der Struktur unterscheidet sich diese Geschichte auch von meinen früheren Ausgaben und deren Einsatz des Modells paralleler Handlungsverläufe, und ich denke, diese Präzisierung, die sich nach und nach herausbildet, wird auch dieses Mal für den Leser mit einer Überraschung enden.

Du möchtest deinen Lesern gerne etwas geben, was sie nicht schon im Vorhinein erraten können?

Das stimmt, aber ich mache es jetzt nicht um des Effektes willen. Ich habe nur eine Geschichte gehabt, die auf mehrerlei Arten präsentiert werden konnte, und so habe ich die Methode benutzt, die das beste und wirkungsvollste Ergebnis erbrachte. Für einen Autor ist es eine wichtige Aufgabe, den Stoff vorzubereiten, damit er auf die bestmögliche Weise abgespult werden kann, wenn es darauf ankommt, die Aufmerksamkeit des Publikums festzuhalten. Man darf seine vornehmste Verpflichtung als Autor nicht vergessen: die Aufmerksamkeit des Lesers einer lesenswerten Geschichte auf die fesselndste Art und Weise zu binden.

Könnte das nicht gewollt oder banal wirken?

So sehe ich das nicht. Es ist der Inhalt, der zählt, aber wenn du dir ansiehst, mit welchem Lesestoff die Menschen heute ihre Zeit verbringen, dann sind es zum großen Teil thrillerähnlich aufgebaute Geschichten, die das Publikum bevorzugt, und darin sehe ich nichts Schlechtes. Entwicklungsmäßig eine Anleihe beim Medium Film. Ich beziehe diese Mechanismen ja auch in meinen Ablauf des Geschehens mit ein, und finde es ganz logisch, um so mehr, als dass die Geschichte auf der inhaltlichen Ebene im Verlauf einige spannungsbetonte Momente entwickelt.

Gibt es da nicht gewisse Dinge, die recht unwahrscheinlich scheinen, wenn man an die reale Welt denkt?

Dieser Meinung bin ich nicht. Ich habe alle Situationen, die ich berührt habe, durch Belege abgedeckt, auch die allerwiderlichsten. In der Tat habe ich während des Schreibens etwas Entsprechendes erlebt, wie es sich auch bei „Questland“ bemerkbar gemacht hatte. Mehrere Tage lang am Stück gab es in der Berichterstattung der Presse neue Nachrichten über wichtige Punkte, die das Thema des Buches, das ich zu dem Zeitpunkt gerade schrieb, betrafen. Von anderen Situationen hatte ich bis dahin nur gehört, dass es dazu im Ausland gekommen war, aber dann ist meine Hinzufügung praktisch bloß die, dass ich es hier bei uns habe spielen lassen. Es hat sich oft gezeigt, dass Entwicklungstendenzen, die man erst aus dem Ausland vernommen hat, mit einigen Jahren Verspätung in unserem Kulturkreis auftauchen.

Die Art, wie du die Geschichten handhabst, hat etwas Erwachsenes. Denkst, dein Publikum folgt dir?

Das ist natürlich ein Wagnis, aber auf dieser Welt wird man ja nicht dafür belohnt, eine „Me-too-Ausgabe“ zu machen und sich nett und höflich zurückzuhalten, auch nicht, wenn man Bücher schreibt. Man muss etwas präsentieren, das im Verhältnis zu dem, was sonst gemacht wird, ein Profil und eine Kontur hat, und dann darauf hoffen, dass die Zeit reif dafür ist und es Widerhall findet, aber ich rechne damit, dass es gehen wird. Jugendliche sprechen heutzutage, wo es keine Tabus gibt, doch frei über alles Mögliche. Ich habe selbst eine Teenagertochter. Ihre Welt steht in grellem Kontrast zu meiner eigenen Kindheit, in der Kinder in einer missverstandenen Rücksichtnahme von nichts etwas erfuhren, und schon gar nicht die Leichen im Keller zu sehen bekamen. Auf diese Weise kam es zu einer Dämonisierung der dunklen Tendenzen und hässlichen Wahrheiten, die den Umgang mit ihnen schwieriger gemacht haben. Glücklicherweise hat diese geheimnistuerische Mentalität sich geändert, und unsere heutigen Jugendlichen dürfen alles auf den Kopf stellen und es sich anschauen, damit selbst die zweifelhaftesten Aspekte ans Licht kommen und über sie diskutiert und sie kommentiert werden können. Und das ist die beste Möglichkeit, wenn man lernen soll, mit schwierigen Themengebieten umzugehen und Stellung zu ihnen zu nehmen.

Was ist der Grund dafür, dass Randis Freund ihren Teil der Geschichte erzählt?

Das ist ganz einfach. Ich habe ein sehr selbstständiges Mädchen konzipiert, von dem ich wollte, das es introvertiert, wortkarg und sehr skeptisch den Verhältnissen gegenüber auftreten sollte, unter denen es gelebt hat. Ein Mädchen, das darauf besteht, auf eigenen Beinen zu stehen und eine große Nummer daraus macht, selbst zu entscheiden und eigene Entscheidungen zu treffen, aber auch mit einer gewissen Verwundbarkeit, deren Ursache lange im Verborgen bleibt. Es war nicht möglich, das in der Identität, selbst als Erzählerin aufzutreten, glaubhaft zu machen. Da ich aber sehr viel vom Einsatz eines Icherzählers halte, musste ich einen Freund von Randi benutzen, der über sie berichtet. Durch ihn erfahren wir mehr über Randi, als ihr selbst lieb wäre, das dabei herauskommt. Es ist über weite Strecken ein Mysterythriller. Als Leser haben wir eine Reihe von ungeklärten Fragen, und wir brennen darauf, sie beantwortet zu bekommen, was nach und nach auch passiert. Ich bin ja ein verantwortungsvoller Erzähler, der seine Leser nicht im Stich lässt.

Weshalb muss Lasse so willenlos sein?

Das hängt mit seiner Persönlichkeit zusammen. Er kann Randis Führungsrolle akzeptieren, weil er sie auf seine ihm eigene Weise mag und außerdem hat er nicht das gleiche Bedürfnis sich in Szene zu setzen. Rein erzähltechnisch ist es auch eine gute Idee, einen linkischen und introvertierten Charakter durch eine empfindsamere Person am Rand zu betrachten. Das habe ich schnell herausgefunden, als ich entscheiden musste, wie ich die Erzählung präsentieren wollte.

Du hättest die Personen in Randis Umgebung schon mehr entwickeln können. Ihre Pflegemutter, Lasses Mutter, die Lehrer an der Schule und die Klassenkameraden.

Das hätte ich zweifellos gekonnt, aber mit der Zeit bekommt man ein intuitives Gespür davon, was man braucht und was man nicht haben muss. Wenn man seine wesentlichen Punkte auf eine geringere Anzahl von Personen konzentrieren kann, zieht man die Aufmerksamkeit nicht vom Wichtigsten ab, was hierbei die Entwicklung der Handlung der Hauptperson ist. Je präziser und zielgerichteter man das machen kann, desto stärker kann es wirken. Aber ich habe tatsächlich mehrere Nebenfiguren in kleinen Rollen dabei, die die Geschichte würzen, und ich finde, dass ich dabei ziemlich viele Details und Verhältnisse unserer heutigen Wirklichkeit abdecke.

Spielt das Buch in unserer zeitlichen Gegenwart?

Darüber habe ich selbst schon nachgedacht. Ich denke schon, dass das der Fall sein könnte, doch andererseits wäre es sicherlich auch möglich, dass es sich schon vor ein paar Jahren zugetragen hat. Dieses Mal habe ich mich gebeugt und Mobiltelefone mit reingenommen, also muss es auf alle Fälle eine Geschichte sein, die in den letzten paar Jahren stattfindet, als Handys schon recht verbreitet waren.

Gewisse Autoren sollen angeblich sehr mit Formulierungen ringen. Sie schreiben viel, was sie dann wegwerfen und beginnen von vorn. Gehörst du zu denen?

Nein, glücklicherweise nicht. Ich habe in der Regel die meisten Sachen geordnet, bevor ich mich hinsetze und schreibe. Und die Gedanken, die mir während des Schreibprozesses kommen, sind dann auf das Thema fokussiert, und ich finde das funktioniert, wenn ich sie dann auch als Text aufs Papier bringe. Ich denke, das ist so, weil ich über eine jahrelange Erfahrung verfüge, Gedanken zu denken, die sich aus Platzgründen an das Thema halten müssen, deshalb folge ich auch jetzt dieser Methode instinktiv, auch wenn ich mich etwas mehr ausbreiten kann, als ich es früher noch konnte, als ich erzählende Comics gemacht habe.

Weil sich der Stil aus der Vergangenheit wiederholt, möchte ich gleich noch bestätigt haben, ob eine Absicht dahintersteckt, konsequent Wendungen wie: „Er sagte:“, „fragte der Lehrer“, „stellte er mit Verbitterung fest“ und Vergleichbarem zu vermeiden?

Da hast du recht. Eine solch grundsätzliche Abwahl dieser Sätze ist nicht zufällig. Ich bin aus einer Ausdrucksform mit Sprechblasenpfeilen zur Buchstabenliteratur gekommen, und erlebe textliche Präzisierungen bezüglich Absender und Empfänger als überaus altmodisch. Aber die meisten Autoren fassen es als Pflicht auf, diese oft überflüssigen Hinweise zu schreiben, und das hemmt den Leseprozess. In der Regel sind es doch nur zwei Personen, die sich unterhalten. Falls es mehrere Personen sind, wird sich das aus dem Inhalt auch oft selbst ergeben, wer sich gerade äußert. Wenn ich selten einmal die Erfahrung mache, dass es einen sinnentstellenden Zweifel gibt, werde ich durch eine Bemerkung gleich vor oder nach einer Aussage eine Formulierung anlegen, die alles präzisiert. Aber ich habe auch Abschnitte, wo eine Gruppe junger Menschen sich über ein Thema unterhält, und dabei sage ich nicht immer, wie viele Jugendliche es sind oder wer was sagt. Wir begegnen ihnen später vielleicht nicht mehr, und es ist nicht wichtig, zu wissen, wer die einzelnen Aussagen getroffen hat. Der Sprecherwechsel ist das Entscheidende. Der große Vorteil dabei, diese Hinweise auf Absender und Empfänger zu unterlassen ist doch, dass man einen Wortwechsel führen kann, als ob es sich um einen Film handelt, und das schafft eine größere Durchschlagskraft in der Abwicklung der Situation. Also werde ich an diesem erzählerischen Zug definitiv festhalten. Ich bin auch froh darüber, dass ich schon bei „Questland“ für meine leicht zugängliche Sprachbehandlung gelobt wurde.

Mir ist aufgefallen, dass die Kapitel wie auch früher schon immer ungefähr die gleiche Länge haben. Gibt es dafür auch einen Grund?

Das habe ich auch bemerkt. Vielleicht ist es so, dass die Arbeit an meinen Spielebüchern mich daran gewöhnt hat, einen Konfliktstoff in der gleichen Länge auszuarbeiten, der in den Alben einer Seite entsprach. Aber wenn ich eine Situation für ein Kapitel im Kopf habe, dann scheint es, als hätte ich die Möglichkeiten für diesen Blickwinkel erfasst, wenn ich den Handlungsverlauf in ungefähr gleicher Länge dargestellt habe. Es ist nicht sicher, dass das Thema ausdiskutiert ist, aber ich spüre, dass es verlockend ist, zu etwas anderem in der Parallelhandlung, die ich abwickle, zu wechseln. Und dann kehre ich später zur ersten Handlungsebene mit einer neuen Situation zurück, wie es die Kapitelüberschriften signalisieren. Das schafft eine anregende Abwechslung, die dabei hilft, das Interesse über den ganzen Verlauf hinweg gefangen zu halten.

Jetzt, wo die Bibliotheken selbst die Bücher für ihre Ausleihe einkaufen, glaubst du da, sie brauchen ein Buch mit diesem düsteren Thema?

Ich schreibe meine Bücher ja nicht um der Bibliotheken willen, aber ich habe in der Tat nachgeforscht, was sie über das Thema schon besaßen, und es gab überhaupt keine Buchtitel in Dramaform mit diesem von innen heraus betrachteten Inhalt. Deshalb nehme ich an, das Buch wird, wie es sich für sie darstellt, auch eine Lücke ausfüllen. Und da sie vermutlich in den Regalen haben, was über dieses Thema erschienen ist, muss das doch bedeuten, dass ich da etwas ganz neu präsentiere, zweifellos, weil sich früher niemand getraut hat, es zu tun. Es ist auch befriedigend, so etwas herauszufinden, wenn man ein neues Buch geschrieben hat.

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